Die illegitime Regierung ist stolz auf die Errungenschaften unseres Landes in den Bereichen Musik, Literatur und Theater – und zerstört zugleich das Werk ganzer Generationen. Sie zerstörte das Kupala Theater, Schauspieler, Sänger und Musiker verließen das Land, viele Künstler sitzen im Gefängnis. „Überlebt“ haben nur diejenigen, die eingewilligt haben, Lukaschenko treu zu sein und ihm ein Denkmal zu setzen. Belarus‘ wahre Kultur wird dagegen in den Untergrund verdrängt oder in die Emigration getrieben.

„Nash Dom“ widmet sich schon lange Zeit der Unterstützung der belarussischen Kultur. 2011 erschien auf unserer Website ein Beitrag über die Einleitung eines Strafverfahrens gegen den Musiker Sergei Michalok. 2015 trafen sich Aktivisten in Brest mit den Künstlern der Stadt. Sie erzählten über sich und ihre Bilder, aber auch darüber, wie sie sich für Belarus engagieren wollen. Während des Treffens konnten Kinder und Jugendliche die Aktivitäten der Gruppe kennenlernen. 2018 berichteten wir über den Prozess gegen den Musiker Ales Denisov, gegen den ein Verfahren wegen eines Reposts in dem öffentlichen Forum „Vkontakte“ lief.

Im Jahr 2020 wurden, was Repressionen anging, neue Maßstäbe gesetzt. Im Herbst überrollte eine Repressionswelle das Drama-Theater in Grodno. Im September unterbrachen die Schauspieler eine Aufführung, als sie über die Verhaftung ihres Kollegen Sergei Kurilenko erfuhren. Am 26. Oktober gingen sie dann in den Streik. Daraufhin wurde die Truppe entlassen. Bis zum Februar 2021 waren sie gezwungen, arbeitslos zu bleiben. Sie hatten keinerlei Auftrittsmöglichkeiten mehr. Dank eines Programms des Internationalen Zentrums gemeinnütziger Initiativen „Nash Dom“ konnten zehn der Schauspieler nach Litauen ausreisen. Dort konnten sie neue künstlerische Projekte, Aufführungen und Bekanntschaften finden.

So trafen die Schauspieler sich im März mit dem leitenden Regisseur des Russischen Drama-Theaters in Vilnius, Wladimir Gurfinkel. Schon im April begann die Arbeit an dem Stück „Nicht erschossene Poesie“ und die Leseproben dafür. Am 11. April führte die Truppe eine Performance auf dem Lukishskaya Platz auf, welche dem zehnten Jahrestags des Anschlags in der Minsker Metro gewidmet war. Für den Sommer planen die Grodnoer nun ein großes Straßenfestival in Litauen, um nicht nur die belarussischen Emigranten, sondern auch die örtliche Bevölkerung zu erfreuen. Interviews mit den Schauspielern und ihre Geschichten über die Hilfe, die sie bekamen, sind auf der Website von „Nash Dom“ zu finden.

Zudem fand im Januar 2021 anlässlich des litauischen „Tag der Freiheitskämpfer“ ein großes Online-Konzert auf dem Youtube-Kanal von „Nash Dom“ statt. Der Stream zeigt Auftritte von Politikern und Kulturschaffenden. Zu sehen sind unter anderem Regina Sarkisova, Vladimir Sudnovsky, Margarita Levchuk, Levon Volsky, Andrei Makarevich, Ieva Narkutė.

Im März wurde auf der Plattform „Nash Dom TV“ ein Treffen von Olga Karach mit der legendären Schauspielerin Liah Akhedzhakova, der Regisseurin Oksana Mysina, dem Dramatiker Andrei Kureichik und Anna Sirotina, welche die Hauptrolle in dem Film „Offended. Belarus(sia)“ spielte, gezeigt. Andrei Kureichik teilte dort seine kreativen Ideen mit den Anwesenden und erzählte von der Idee für ein neues Stück.  Liah Akhedzhakova und Anna Sirotina drückten ihre Gedanken und Gefühle nach dem Erscheinen des Films aus, Oksana beantwortete Fragen zur Teilnahme an Demonstrationen, der Rückkehr des Themas Belarus und einer Revolution des  Bewusstseins.

Auf dem Treffen sprach Olga Karach auch die Geschichte der Regisseurin Olga Nikolaychik, einer Aktivistin für „Eurpäisches Belarus“, an. Schon vor den Wahlen 2020 wurde sie mehrfach von den belarussischen Behörden in Gewahrsam genommen. Sie wurde brutal verhaftet, hat unter grauenvollen Bedingungen im Gefängnis gelitten und wurde zu Geldstrafen verurteilt. Während des Präsidentschaftswahlkampfs wurde sie festgenommen und zu 60 Tagen Gefängnis verurteilt. Ihre Kleidung in der Zelle wurde mit Chlor übergossen, eine Möglichkeit, zu duschen oder ihre Sachen zu wechseln wurde ihr verwehrt. „Nash Dom“ berichtete über alle Prozesse gegen sie und sendete Briefe in die Untersuchungshaftanstalt.

Kultur kann niedergedrückt, erstickt oder zum Schweigen gebracht werden, aber man kann sie nicht einfach den Anordnungen eines Machtgierigen unterwerfen. Sie wird in jedem Fall wiedergeboren und taucht an einem neuen Ort auf. Gerade im Zeitalter der Technik hat sie dazu vielfältige Möglichkeiten. Niemandem gefällt oktroyierte, unehrliche Kunst. Heute möchten wir unserer Hoffnung Ausdruck verleihen, dass alle Kulturschaffenden, die von der Regierung unterdrückt werden, so bald wie möglich nach Hause zurückkehren und das Publikum wieder mit ihrem Können bereichern können.

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